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Die Tür zum Finale bleibt für die Legionäre verschlossen

Regensburg zeigt auch in Spiel 4 der Halbfinal-Serie gegen Südmeister Heidenheim viel Moral und Qualität. Ein paar Wackler zu viel sorgen am Ende für die Entscheidung.

Es gibt wenige Sportarten, wahrscheinlich sogar wenige Konstellationen im Leben überhaupt, bei denen Freude und Leiden, Erfolg und Misserfolg, Hoffnung und Enttäuschung so nahe zusammenliegen wie beim Baseball. Es sind nicht die zwei Seiten der Medaille, es findet sich alles auf der gleichen Seite – es hängt nur davon ab, aus welchem Winkel das Licht auf die Medaille scheint.

Dummerweise kommt dieses Licht viel häufiger aus der Leidensseite, ist die Enttäuschung ständiger Begleiter. Für Spieler genauso wie für Trainer oder Fans. Yankees-Legende Derek Jeter hat in seinem Buch geschrieben: „Baseball ist ein Spiel, bei dem das Scheitern dazugehört.“ Gleichzeitig ist Baseball aber auch ein Spiel der Hoffnung. Es gibt bis zum letzten Ball die Chance, die ganze Partie noch einmal zu drehen. Selbst als Mannschaft, die vermeintlich klar hinten liegt. Das alles macht einen großen Teil der Faszination dieses Sports aus.

Start mit Schmidt-Triple

So gesehen war die Halbfinal-Serie der Guggenberger Legionäre gegen die Heidenheimer Heideköpfe unter dem Strich Baseball in Reinkultur. Genau genommen gilt dies auch für das am Ende entscheidende Spiel 4 in der Armin-Wolf-Arena. Für die Regensburger begann alles mit Freude, ausgeliefert zunächst mit einem Triple von Alex Schmidt.

Allein die Aktion war eine Art Mini-Demo von Baseball. Zwischen der Freude von Nationalspieler Schmidt über seinen Klasse-Hit inklusive Besuch auf Base 3 und Frust, dass Heidenheim-Outfielder Shawn Larry das Ding wegfängt, lagen ein paar wenige Zentimeter. Larry verpasste den Ball, Alex Schmidt brachte wenig später nach einem Schlag von Devon Ramirez die Legionäre in Führung. Und nährte die Hoffnung, dass es den Regensburgern doch noch gelingen könnte, den Rückstand in der Halbfinal-Serie zu drehen.

Redle-Run zum Ausgleich

Es passt in die Dramaturgie, dass im dritten Inning ausgerechnet Kilian Redle, bis in diesem Sommer an der Regensburger Academy aktiver Ex-Legionär, für den Ausgleich in der Partie sorgte. Es passt zum Baseball, dass wenig später von der Hoffnung in Regensburg nur noch sehr wenig übrig war.

Simon Gühring eröffnete das Drama namens viertes Inning mit einem Single. Direkt im Anschluss zeigte der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft, erst dieser Tage zurückgetreten, per Steal, dass er noch immer schnelle Beine hat. Nach Walk und Sacrifice Bunt stand plötzlich auf jeder Base ein Heidenheimer.

Halbinning des Grauens

Martin Helmig reagierte, holte Christian Pedrol vom Mound. Pedrol hatte solide bis gut gespielt, die Dominanz seiner letzten Auftritte fehlte aber diesmal. Joe Cedano de Leon, frisch für die EM nominierter Nationalspieler, übernahm. Zwei Walks und einen Sacrifice Fly später war sein Auftritt schon wieder beendet. Baseball is a game of failure und kann manchmal sehr brutal sein.

Jan Tomek, tschechischer Nationalspieler und Ende September bei seiner Heim-EM aktiv, sollte den Schaden in Grenzen halt. Das gelang im auch fast. Ein weiterer Heidenheimer schaffte es noch über die Homebase, dann hatten die Guggenberger Legionäre das Halbinning des Grauens hinter sich gebracht.

Leise Hoffnung nach Dinski-Homerun

Aber die Heideköpfe wollten mehr, das Pitching der Legionäre blieb ein wenig wackelig. In der Konsequenz stand zur Hälfte des nächsten Innings eine 9:1-Führung für Heidenheim. Aber im Baseball ist es eben erst vorbei, wenn es wirklich vorbei ist. David Dinski meldete sich für die Legionäre mit einem 2-Run-Homerun zu Wort, Regensburg verkürzte.

Kilian Redle mit seinem vierten Run und Shawn Larry mit seinem nächsten Homer in der Serie trampelten das zarte Pflänzchen der Hoffnung aber sehr schnell und ziemlich gnadenlos wieder nieder. Die Heideköpfe lagen mit 12:3 erneut deutlich vorne. Die Tür zum Finale schien für Regensburg endgültig zu.

Regensburger Rallye im Schlussinning

Aber ähnlich wie vor einer Woche versäumten es die Heideköpfe zunächst, auch wirklich zuzusperren. Ähnlich wie vor einer Woche sorgte Heidenheims General Manager Eckle mit einem Pitcher-Wechsel dafür, dass sich die Tür noch einmal einen Spalt öffnen sollte. Gegen Sven Schüller, wie Redle vergangenen Saison noch in Regensburger Uniform zu sehen, fand die Legionäre-Offensive noch einmal zu ihrem Spiel. Single von All-Time-Leader Vance, Triple durch von Garßen – Punkt durch Vance. Single von Schmidt, von Garßen scored. Singles von Grimes und Ramirez, Schmidt holt den Run. Wild Pitch von Schüller, Ramirez punktet. Single Harms, Grimes punktet.

Eine Rallye, die Regensburg im letzten Inning plötzlich wieder nahe an Heidenheim brachte. Ein kleines Stückchen Legionäre-Fuß war noch einmal in der Final-Tür. Dass es nicht mehr wurde, ist einem weiteren Ex-Regensburger zuzuschreiben. Mike Bolsenbroek übernahm nach dessen Negativ-Lauf von Schüller. Eher humorlos donnerte Bolsenbroek die Tür wieder zu, drehte den Schlüssel um. Die Partie und damit die in jeder Hinsicht emotionsgeladene Halbfinal-Serie war entschieden.

Deutschland-Pokal statt Finale

Für die Legionäre ist zwar der Traum vom Finale ausgeträumt, die Saison ist aber noch nicht vorbei. Am Samstag und Sonntag geht es in Hamburg im Deutschland-Pokal weiter. Die Stealers werden alles versuchen, sich für die Viertelfinal-Niederlage in den Playoffs zu revanchieren.